Ich informiere mich


Mit seinen 4 810 m ist der Mont Blanc ohne Frage ein Gipfel für Alpinisten. Diese nicht alltägliche Gipfelbesteigung lässt sich nicht von heute auf morgen bewältigen. Die Anwärter müssen sich vorbereiten, und INFORMIEREN.

Unentbehrliche Qualitäten von Bergsteiger

4810,02 m

moi

Der Mont Blanc, das DACH EUROPAS, weckt die Sehnsüchte vieler nach dem Unerreichbaren und so hat der hohe Besucherandrang heute die Schwelle des Erträglichen überschritten mit allen Maßlosigkeiten, die man sich nur vorstellen kann (in Bezug auf Gefahren, Abfallaufkommen, Mangel an Informationen zu den Schwierigkeiten beim Aufstieg…).

DER MONT BLANC, EIN KONSUMGUT ? Der Mont Blanc hat das Image einer „erreichbaren Leistung“, die in der persönlichen Hitliste nicht fehlen darf, und wird oftmals als ein idyllisches Abenteuer dargestellt. Aber zu Unrecht. Auch wenn er vom Tal aus zum Greifen nahe scheint.

DER MONT BLANC, EINE BELOHNUNG FÜR DEN BERGSTEIGER ! Manchmal kann die Besteigung des Mont Blanc bei schönem Wetter und guten Bedingungen fast ideal erscheinen. Sie kann aber auch sehr anstrengend, ja sogar gefährlich werden, wenn die Rahmenbedingungen ungünstig sind (Schnee, Wind, Nebel, Kälte) und wenn Müdigkeit mit ins Spiel kommt.

Die unglückliche Verkettung von Umständen hat oft katastrophale Folgen… Um die Besteigung des Mont Blanc mit guten Erfolgschancen vorzubereiten, sollte man über eine Erfahrung im Hochgebirge, ein regelmässiges Training, sowie eine angepasste Vorbereitung verfügen. Auf. 4.810 Höhenmetern kann ein durchtrainierter Mensch nur 70 % der Leistung liefern, die er auf Meereshöhe erbringen kann. Dieser Wert nimmt bei Kälte und Müdigkeit noch weiter ab.

Eine guter Führer wird auch entscheidend sein.

 

AUFSCHLUSSREICHE ZAHLEN

• Zu hoher Besucherandrang

– Im Sommer starten jeden Tag zwischen 350 und 400 Besteigungen auf allen Routen zusammen.

– Überfüllte Berghütten und bis zu 70 Zelte am Col du Midi, obwohl das Zelten dort verboten ist.

– Sehr viel Müll, der achtlos zurückgelassen wird, obwohl die dortige Bergwelt ein geschütztes Weltnaturerbe ist.

campingACHTUNG : ZELTEN VERBOTEN (Geschützer Naturraum, R.111-42 frz. Stadtplanungsgesetz)

Seit dem Sommer 2013, wacht eine von der Präfektur in Hochsavoyen eingesetzte Struktur über die Einhaltung dieses Verbots über. Nur das Biwakieren von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ist erlaubt

 

• Gefahren

– 80 bis 100 Einsätze der Rettungsdienste jedes Jahr (teilweise mehrmals am Tag!), davon 80 % wegen Erschöpfung aufgrund einer mangelhaften körperlichen Vorbereitung bzw. Akklimatisierung.

Informieren Sie sich über medizinische Risiken im Hochgebirge : www.ffme.fr (rubrique fiches FFME)

– Die Unbilden der Natur (Lawinen, Eisschlag, Steinschlag, Unwetter, keine Sicht etc.) sind nicht zu unterschätzen, vor allem auf den klassischen Routen. Sie fordern jedes Jahr mehrere Menschenleben (13 im Jahr 2012).

• Einschätzung der Schwierigkeiten und der Bedingungen

– Die Quote der fehlgeschlagenen Versuche beträgt jeden Tag zwischen 40 und 100 %. Sich an einen staatlich geprüften** Bergführer zu wenden, führt ganz eindeutig zu besseren Erfolgschancen. 

Die Risiken

DIE KLASSISCHEN ROUTEN…  ABER NICHT RISIKOFREI

Es gibt unterschiedliche Routen, von der französischen Seite wie auch af der italienischen Seite. Unter ihnen sind manche klassisch und können äußerst besucht sein. Sie stellen alle besonderen “natürlichen” Risiken dar.

 

  • Die normale Route über den Gipfel “Dôme du Goûter”

IMG_5917Wenngleich diese Route die geringsten technischen Schwierigkeiten aufweist, so muss sie doch mit großer Vorsicht (74 Todesfälle zwischen 1990 und 2011 Studie Rettungsleitstelle / Petzl-Stiftung) beschritten werden, und zwar aufgrund zahlloser Steinschläge und Felsstürze in einer Rinne, die durchquert werden muss, um die Schutzhütte “Le refuge du Goûter” zu erreichen. (Siehe untengenannt).

Zu Beginn der Sommersaison, wenn der Schnee in der Rinne schmilzt, lösen sich Steine und Felsbrocken. Später in der Jahreszeit werden Felsstürze durch das Auftauen der Berghänge verursacht, was noch durch die Klimaerwärmung beschleunigt wird. Auch wenn ein Schutzhelm unentbehrlich ist, kann er sich sehr nutzlos erweisen, wenn sich Tonnen von Felsen, manchmal mehrere Hunderte Meter höher lösen ! Ab der Schutzhütte “Le Refuge du Goûter” verläuft die Route nur noch über den Gletscher und birgt daher die entsprechenden Gefahren (Hänge mit Blankeis, Spalten).

 

 

Die couloir du Goûter

itigouterDEIm Couloir du Goûter ereignen sich ein großer Teil der schwerwiegendsten Unfälle.

Ungefähr die Hälfte der Unfälle ereignen sich während der 100 Meter langen Querung des Couloirs und ein Drittel auf dem Grat. Die meisten Unfälle werden durch Absturz des Alpinisten verursacht und hängen sehr häufig direkt oder indirekt mit einen Steinschlag zusammen . Bezogen auf die Zahl der Seilschaften ereignen sich beim Absteig (insbesondere auf dem Grat) mindestens genauso so viele Unfälle.

Wir wissen auch, dass zwei Drittel der Unfallopfer nicht angeseilt waren und dass Personen, die von einem professionellen Bergführer begleitet waren, weitaus weniger Unfälle erleiden. Eine im Sommer 2011 durchgeführte Studie, den Couloir betreffend, belegt, dass ca. 1000 Personen (von 17000 Personen, die diese Route betreten), in irgendeiner Weise mit einem Steinschlag konfrontiert wurden. Zwar können Felsbrocken zu jeder Tageszeit und in jeder Jahreszeit herabstürzen, andererseits lassen sich jedoch Faktoren erkennen, die das Risiko erschweren bzw. Reduzieren.

Faktoren, die das Risiko erhöhen :

• Temperaturen über Null Grad.

• Trockene Luft : schönes, sonniges Wetter.

Die kritischsten Stunden liegen zwischen 11 Uhr und 13.30 Uhr.

Faktoren, die das Risiko reduzieren :

• Temperaturen unter Null Grad.

• Bedecktes Wetter mit wenig Sonne.

Im Couloir befindlicher Schnee hat keinen Einfluss auf das regelmäßige Auftreten von Steinschlag. Er reduziert jedoch das Risiko, dass andere Blöcke mitgerissen werden und dämpft den Aufprall im Couloir.

Mehr Informationen : www.fondation-petzl.org

Wie kann ich den Couloir du Goûter durchqueren ?

Wie in allen Passagen der Routen ist die Einschätzung der momentanen Bedingungen für die Wahl der einzusetzenden Techniken maßgebend. Folgende Grundprinzipien sind zu beachten :

• Tragen Sie einen Helm und bleiben Sie angeseilt.

• Installieren Sie Ihre Ausrüstung in einiger Entfernung vor dem Couloir und nicht erst am Rand, wo es sehr gefährlich ist.

• Beobachten Sie die momentanen Bedingungen aufmerksam, bevor Sie sich entscheiden, den Couloir zu queren.

• Wenn Sie können, werfen Sie in sicherer Entfernung ein Auge auf die Seilschaft vor Ihnen.

• Überqueren Sie den Couloir zügig aber nicht zu hastig.

• Wenn der Schnee guten Halt bietet, können Sie auf das Stahlseil verzichten Andernfalls befolgen Sie bitte die beschriebenen Empfehlungen (Sichern während der Fortbewegung mit angepasster Seillänge, wobei das Seil zwischen zwei Mitgliedern einer Seilschaft durch einen Karabiner geführt wird).

• Benutzen Sie auf dem Grat die Stahlseile und deren Anschlagpunkte zum Sichern der sich fortbewegenden Seilschaft. Dies ist kein Klettersteig.

 

  • Die “Trois Monts Route”

Die Besteigung der beiden ersten Gipfel birgt die üblichen Gletschergefahren.

CHUTE-SERACGletscher befinden sich im steten Wandel: Sie schieben sich vor, weil die Eismassen rutschen und sich verformen. Im Gegensatz zu oftmals anders verlautenden Behauptungen können Séracs (Séracs sind große turmartige Eisblöcke an Gletschern) jederzeit und bei jeder Temperatur unvermittelt abbrechen.

Dieses Phänomen kann Eis- und Schneelawinen auslösen. Es wird dringend empfohlen, die richtige Ausrüstung mitzuführen : Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Lawinensonde und Lawinenschaufel und diese im Notfall auch verwenden zu können. Die steilen Hänge (vor allem unter dem “Col du Mont Maudit” : Neigung bei 45°) und die möglichen Schwierigkeiten bei der Überquerung der Abgründe müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

 

  • Die Route über die Hütte “Les Grands Mulets”

 

CrevasseDie Gefahren sind die gleichen wie bei der Tour der Trois Monts (Eisschlag, Lawinen), wobei das Spaltensturzrisiko hier größer ist.

 

Ein “risikofreies” Wandern im Hochgebirge gibt es nicht, und gerade deshalb sollten alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, damit das Risiko so klein wie möglich gehalten wird. Neben Risiken, die auf die Höhe und allgemeiner gesehen auf das Hochgebirge zurückzuführen sind, geht die größte Gefahr vielleicht von den Kletterwilligen selbst aus : den Aufstieg nicht abbrechen zu können, ein durch die Gruppendynamik beeinträchtigtes Urteilsvermögen, zu denken, dass ein hohes Besucheraufkommen Sicherheit bedeutet…

Einen Bergführer nehmen

Begeben Sie sich unter die fachkundige Leitung eines Bergführers, denn das bedeutet mehr Sicherheit und bessere Erfolgschancen !

Bergführerverband “Compagnie des Guides de Chamonix” : Tél. +33 (0)4 50 53 00 88 / www.chamonix-guides.com

Bergführerverband “Compagnie des Guides de Saint Gervais” : Tél. +33 (0)4 50 47 76 55 / www.guides-mont-blanc.com

Verband der französischen Bergführer (Syndicat National des Guides de Montagne) : www.guides-montagne.org

Wo Sich informieren ?

Informieren Sie sich über die Route, die Risiken und die aktuellen Bedingungen.

Office de Haute Montagne (OHM) – Pôle Montagne Risk

– Allgemeine und praktische Informationen: topographische Führer und Karten, Reiseführer…

– Infostelle zu den Gefahren im Gebirge

– Spezifische Informationen und Machbarkeit der Routen (von den Bergsteigern selbst aktualisierte Tourenbücher zu den Kletterverhältnissen)

Maison de la Montagne, auf dem Kirchenplatz in Chamonix – Tél. +33 (0)4 50 53 22 08 / www.chamoniarde.com

Bergrettung – PGHM de Chamonix – Tél. + 33 (0)4 50 53 16 89 / www.pghm-chamonix.com